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Verbesserte Octreotid-Zufuhr ins Gehirn durch transnasale Elektrodentechnik (Iontophorese)

Art: Wissenschaftlicher Artikel
Datum: Juni 2004
AutorInnen: Eduard N. Lerner, Elske H. van Zanten (Lerner Medical Technology Ltd. Amsterdam, Niederlande); Gregory R. Stewart (Genzyme Corporation, Framingham MA, 01701, USA)
Durchgeführt durch: LPT Laboratory of Pharmacology and Toxicology GmbH & Co. KG, Verantwortlich: J. Leuschner
Tiere: 23 Weiße Neuseeländer Kaninchen (Charles River*)

In diesem Tierversuch soll herausgefunden werden, ob es Möglichkeiten gibt, Medikamente durch die Nutzung von Elektroden bei transnasalen Infusionen besser in das Gehirn gelangen zu lassen. Dazu werden Kaninchen in verschiedene Gruppen unterteilt und verschiedene Versuche mit der Elektrodentechnik (Iontophorese) durchgeführt. Die Kaninchen werden mit 25 % Urethan betäubt und intubiert*, um das Atmen während des Versuches zu gewährleisten. Außerdem werden Katheter in die Halsschlagader und in eine Halsvene gelegt, um die Hirndurchblutung am Ende der transnasalen Infusion mit Kochsalzlösung zu unterstützen. Ein weiterer Katheter wird in die Oberschenkelvene eingeführt, um während des Versuchs Blutproben nehmen zu können. In beide Nasenlöcher der Kaninchen werden die Elektroden mit dem Medikament Octreotidacetat (Chemotherapiemedikament) so tief wie möglich eingesetzt. Auch auf der Rückseite des Kopfes wird eine Elektrode direkt auf der Haut befestigt, um Wechselstrom herzustellen. Dieser Versuch wird an 5 Gruppen durchgeführt, jede Gruppe besteht aus 3 bis 7 Tieren.

Gruppe 1 (7 Tiere) erhält eine aktive, transnasale Medikamentengabe für 60 Minuten. Gruppe 2 ist eine Kontrollgruppe mit 4 Kaninchen, die eine passive Medikamentengabe aus den Elektroden in der Nase erhalten. Während des Versuches werden die Kaninchen in Rückenlage auf eine Wärmeplatte gelegt, um die Körpertemperatur zu gewährleisten. Es werden jeweils 5 Blutproben entnommen, eine vor dem Beginn des Versuches und vier weitere nach der Verabreichung der Medikamente (15, 30, 45 und 60 Minuten danach).

Die Gruppen 3 (5 Tiere) und 4 (4 Tiere) werden vor dem Experiment durch Ausbluten getötet. Dazu werden die gelegten Arterienkatheter geöffnet, damit das Blut herausfließen kann. Anschließend werden die Katheter mit Kochsalzlösung durchgespült. Danach wird der Versuch genauso durchgeführt wie bei dem Test an den lebenden Tieren: eine Gruppe erhält eine aktive Medikamentengabe durch die transnasalen Elektroden und die zweite Gruppe erhält eine passive Medikamentengabe. Die Gruppe 5 (3 Tiere) dient als Kontrollgruppe. Ihr wird das gleiche Medikament in einer 3-minütigen Infusion statt durch die Nase durch die Oberschenkelarterie verabreicht. Blutproben werden auch hier vor dem Test und vier weitere Male danach (15, 30, 45 und 60 Minuten später) entnommen. Nach der letzten Blutabnahme werden die Kaninchen getötet.

Der Naseneingang ist bei Kaninchen sehr schmal und teilweise durch Nasen- und Gaumenknochen versperrt. Dadurch gibt esbeim Einführen der Elektroden teilweise erhebliche Widerstände und es ist schwer, die Elektroden weit oben im Nasenverlauf zu platzieren. Oft kommt es zu Blutungen und kleineren Verletzungen während dieses Vorgangs. Während der Studie fängt ein Kaninchen nach ca. 30 Minuten an zu zittern und leidet nach ca. 45 Minuten an einer rhythmischen Bewegungsstörung. Es ist laut Autoren unklar, ob diese Bewegungen durch die Medikamente, den Wechsel der Körpertemperatur oder den Versuch selber ausgelöst wurden.

Charles River Laboratories, Inc.
Einer der größten Tierversuchskonzerne der Welt und wichtiger Lieferant für sog. Versuchstiere. Das 1947 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 7500 MitarbeiterInnen und hat einen Jahresumsatz von 1,13 Milliarden US$ (Stand 2012). Der Hauptsitz befindet sich in Wilmington, Massachusetts (USA), deutsche Niederlassungen befinden sich in Erkrath, Sulzfeld und Köln.
Intubieren
Einführen einer Sonde in eine Körperöffnung, meist Mund oder Nase.