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Untersuchung des Abhängigkeitspotenzials von Chloralhydrat durch orale Verabreichung an normale Affen

Art: Wissenschaftlicher Artikel
Datum: August 1996
AutorInnen: Jost Leuschner (LPT), T. Zimmermann (G-Pohl Boskamp GmbH & Co, Hohenlockstedt)
Durchgeführt durch: LPT Laboratory of Pharmacology and Toxicology GmbH & Co. KG
Tiere: 24 Javaneraffen (R.C. Hartelust BV*, Tilburg, Niederlande, stammen aus einer chinesischen Zuchtstation)

Bei diesem Tierversuch handelt es sich um einen Vergleichsversuch, in dem das Suchtpotential von zwei verschiedenen Schlafmitteln an Affen getestet wird. Hierzu wird Chloralhydrat (eine Substanz, die in Schlafmitteln verwendet wird) in verschiedenen Dosierungen über einen Zeitraum von 6 Wochen verabreicht. Im Vergleich wird einer Kontrollgruppe über den gleichen Zeitraum Flunitrazepam (ein anderes in Schlafmitteln verwendetes Produkt) gegeben.

Für diesen Versuch werden 24 Javaneraffen in 4 Gruppen unterteilt. Jede Gruppe besteht aus 3 weiblichen und 3 männlichen Affen, die zwischen 3,5 und 6,5 Jahre alt sind und 1,9 bis 6,5 kg wiegen, wobei die Gewichtsunterschiede geschlechtsabhängig sind. Die Tiere werden in Einzelkäfigen gehalten, das Futter wird alle 24 Stunden verabreicht und Wasser steht immer zur Verfügung.

Die erste Gruppe der Affen erhält zweimal täglich (alle 12 Stunden) eine Kontrollsubstanz ohne Wirkstoffe. Die zweite, niedrigdosierte Gruppe erhält ebenfalls zweimal täglich in gleichen Abständen 30 mg/kg Chloralhydrat, die dritte, hochdosierte Gruppe 100 mg/kg Chloralhydrat. Die Höhen dieser Dosierungen wurden aufgrund eines Vorversuchs an Affen ausgewählt. Die vierte Gruppe erhält zweimal täglich (alle 12 Stunden) 2 mg/kg Flunitrazepam. Alle Verabreichungen erfolgen über eine Magensonde (Abb. links). Die Verabreichung findet über einen Zeitraum von 6 Wochen statt. Danach werden die Tiere noch 7 Tage beobachtet, um eventuelle Entzugserscheinungen festzustellen. Jedes Tier wird nach den Verabreichungen für zwei Stunden unter Beobachtung gehalten, in der Entzugswoche für 8 Stunden. Außerdem werden die Affen während des Versuchs auf Auffälligkeiten (z.B. Bewegungsstörungen, Anorexie, Muskelzittern, Verhaltensveränderungen, Gewichtsverlust von über 10 %) überprüft. Das Körpergewicht wird wöchentlich gemessen.

Die Affen in der niedrigdosierten Gruppe Chloralhydrat zeigen von der ersten Dosierung an Beeinträchtigungen in der Motorik sowie Benommenheit. Ein Beruhigungseffekt zeigt sich bei einigen Tieren ca. 30 Minuten nach der Verabreichung und hält 6 Stunden an. Nach den ersten drei Versuchstagen wird dieser Effekt geringer.

In der hochdosierten Gruppe zeigen sich die gleichen Auswirkungen, jedoch stärker als in der niedrigdosierten Gruppe. Außerdem hält die Wirkung in dieser Gruppe bis zur nächsten Medikamentenverabreichung an. Zusätzlich werden in dieser Gruppe zeitweise bei einzelnen Tieren folgende Symptome beobachtet: Zittern, Grimassenschneiden/Gesichtverziehen, Wahrnehmungsbeeinträchtigungen, Ruhelosigkeit und erhöhte Reizbarkeit.

Die meisten Symptome zeigen sich ein bis zwei Stunden nach der Verabreichung und sind während der ersten drei Tage am stärksten. Vom 15. Versuchstag an werden diese Auffälligkeiten langsam weniger. In beiden Gruppen werden keine Veränderungen im Fressverhalten oder Gewicht beobachtet. In der vierten Gruppe Affen, die Flunitrazepam erhält, zeigen sich u. a. folgende Symptome: Bewegungsunlust, Beeinträchtigung der Motorik und der Bewegungsabläufe, Benommenheit, Gähnen und zeitweise Zittern. Diese Auffälligkeiten fangen direkt nach der Dosierung an und bleiben bis zur nächsten Dosierung erhalten. Das Körpergewicht und das Fressverhalten werden nicht beeinträchtigt.

In der 7-tägigen Entzugsperiode zeigen die Affen aus der niedrig sowie aus der hochdosierten Gruppe Chloralhydrat keinerlei medikamentenbezogene Auffälligkeiten.

Es gibt keine sichtbaren Entzugserscheinungen. Das Fressverhalten, das Körpergewicht und die Körpertemperatur bleiben ebenso unverändert. Die Affen aus der vierten Gruppe, die Flunitrazepam erhielt, zeigen deutliche Entzugserscheinungen durch folgende Symptome: beeinträchtigte Motorik, Zittern, erhöhte Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Grimassenschneiden, veränderte Wahrnehmung, Krämpfe/Zuckungen und Erbrechen. Diese Auffälligkeiten sind am stärksten zwischen den ersten 12 und 72 Stunden nach der letzten Dosierung. Das Fressverhalten und Körpergewicht sind nicht beeinträchtigt. Die Körpertemperatur steigt von 38,6° auf 39° C an.

R.C. Hartelust BV
Die Firma R.C. Hartelust BV mit Sitz in Tilburg, Niederlande, ist einer der größten europäischen Importeure für sog. Versuchstiere. Vor allem durch den Import von Affen spielt Hartelust eine zentrale Rolle in der Tierversuchsindustrie.