Aktionsbericht

Veröffentlicht am 10. Mai 2016

Aktionsbericht zur Blockade

Am Montag, den 09.05.2016 haben AktivistInnen für mehrere Stunden erfolgreich die Tore vom Hauptsitz des Hamburger Tierversuchslabors LPT (Laboratory of Pharmacology and Toxicology) in Hamburg-Neugraben blockiert. Sie forderten ein Ende der Tierversuche und die Schließung des Labors, welches zu den größten Auftragslaboren in Deutschland zählt.

Die Aktion begann im Morgengrauen um 05:00 Uhr. Zwei Personen ketteten sich an der Hauptzufahrt im Redderweg 8 mithilfe eines Stahlrohres an den Armen aneinander, zwei weitere verschlossen mit Bügelschlössern um den Hals die Nebenzufahrt in der Straße Weidenbruch. Zusätzlich wurden die Tore mit Ketten und Bügelschlössern verriegelt.

Bereits wenige Minuten nachdem die Blockade stand, trafen die ersten PolizistInnen ein – vermutlich von der Sicherheitsfirma MEBO, die eine Kamera vor dem Haupttor installiert hat, verständigt. Nach Bekanntwerden der Aktion, versammelten sich weitere AktivistInnen vor Ort, um die Angeketteten bei ihrem Protest zu unterstützen und sich mit der Aktion solidarisch zu zeigen. „Ich war schon bei einigen Demonstrationen gegen LPT dabei“, so eine Aktivistin, die sich früh morgens zur Unterstützung auf den Weg nach Neugraben gemacht hatte. „Diese Aktion aber ist etwas Besonderes, denn sie zeigt, dass wir unseren Protest nicht nur sicht- und hörbar nach Außen tragen, sondern auch aktiv in den Betrieb des Labors eingreifen können.“

Nach und nach sammelten sich auch immer mehr Angestellte auf den Straßen rund um das Labor. Sichtlich ratlos standen die ersten vor den Toren, die Schlüssel in der Hand, aber keine Möglichkeit, ihr Ziel zu erreichen. Später bildeten sie kleine Grüppchen und versuchten, ihre missliche Lage mit Heiterkeit zu überspielen.

Einer Mitarbeiterin des Labors war der baldige Arbeitsbeginn besonders wichtig. Sie erkundigte sich bei der Polizei, ob es nicht möglich wäre, mithilfe einer Leiter über den Zaun zu klettern und so auf das Gelände zu kommen. Ihre Begründung, wieso sie den Arbeitsbeginn gar nicht abwarten könne, war besonders zynisch: die Tiere müssten schließlich versorgt werden. Da „versorgen“ bei LPT wohl eher „vergiften“ bedeutet, konnten die Tiere sicherlich einige Stunden darauf verzichten.

Bis die von der Polizei verständigte Feuerwehr eintraf, dauerte es fast drei Stunden.

Um 8 Uhr begann die Feuerwehr dann an der Zufahrt im Weidenbruch mit der Räumung. Als erstes wurde das mit einem Bügelschloss gesicherte Fußgängertor geöffnet, durch das etwas später die MitarbeiterInnen unter lautem Protest der AktivistInnen auf das Gelände gelassen wurden. Ein Mitarbeiter des Labors mimte hierbei den Türsteher und kontrollierte, ob auch alle, die das Tor passieren wollten, dazu befugt waren.

Die Schlösser an den Hälsen der beiden an der PKW-Einfahrt des Nebentores angeketteten AktivistInnen wurden nicht entfernt. Stattdessen wurden von der Feuerwehr mehrere Streben aus dem Tor herausgeschnitten. Die beiden Aktivistinnen, die daraufhin zwar nicht mehr am Tor befestigt waren, die Blockade allerdings davor sitzend aufrechterhielten, wurden um 8:30 Uhr von Polizisten weggetragen.

Wenig später versammelten sich die beiden „befreiten“ Aktivistinnen zusammen mit den UnterstützerInnen zu einer spontan angemeldeten Solidaritätskundgebung vor dem Haupttor im Redderweg, um die dort weiterhin Blockierenden zu unterstützen. Aufgrund der stabilen Konstruktion des Rohres hatten Feuerwehr und Polizei den Versuch, das Haupttor ebenfalls zu räumen aufgegeben.

Während drinnen der Betrieb leider bereits laufen konnte, wurde draußen der Protest fortgesetzt und das Treiben im Inneren mit Rufen wie „LPT Tiermörder“ und „Blut an euren Händen“ begleitet. Um 10 Uhr wurden die Blockade am Haupttor sowie die Kundgebung schließlich von den AktivistInnen beendet. Sowohl die Fußgängertore als auch die Durchfahrten für Kraftfahrzeuge konnten während der Zeit der Blockade weder von den MitarbeiterInnen noch von Zulieferunternehmen passiert werden. Über 3 Stunden wurden die MitarbeiterInnen so daran gehindert, an ihre Arbeitsplätze zu gelangen und ihrem mörderischen Treiben nachzugehen.

LPT ist eines der größten Auftragslabore in Deutschland und führt Versuche an Mäusen, Kaninchen, Hunden, Affen und vielen anderen Tieren durch, beispielsweise für das „Schönheitspräparat“ Botox. Der Hauptsitz des Labores, welcher am 09.05.2016 erfolgreich blockiert wurde, befindet sich in Hamburg-Neugraben. Ein weiterer Standort des Unternehmens ist in Mienenbüttel (Niedersachsen). Unzähligen Tieren werden für die Testung verschiedener Produkte beispielsweise Knochen gebrochen, Haut und Augen verätzt, giftige Stoffe und Krankheiten injiziert oder oral verabreicht. Tiere, die nicht bereits im Versuch qualvoll verenden, werden danach getötet. Denn eines hat das LPT bereits vor Jahren klargestellt: Kein Tier verlässt das Labor lebend.

Bereits in den 1980er und 1990er Jahren hatte es Proteste gegen das Unternehmen gegeben. 1981 und 1982 wurden insgesamt 100 Beagle-Hunde in Mienenbüttel befreit. Im Rahmen der Kampagne LPT-Schließen finden nun seit 2013 wieder regelmäßig und koordiniert Proteste gegen LPT statt. Die Pressesprecherin Martina Kunze von der Kampagne LPT-Schließen: „Verschiedene Tierrechts- und Tierbefreiungsgruppen und andere Initiativen beteiligen sich an den Protesten. Seit dem Start der Kampagne fanden zahlreiche Demonstrationen, auch gegen Geschäftspartner von LPT, und andere Aktionen, wie zum Beispiel Infostände für AnwohnerInnen, statt. LPT und seine MitarbeiterInnen werden seitdem fast jede Woche mit Protesten konfrontiert. Diesen Druck müssen wir aufrechterhalten, wenn wir unser Ziel – das Ende der Tierversuche und die Schließung von LPT – erreichen wollen.“

Auch wenn dieser Protest sich konkret gegen Tierversuche bei LPT richtete: Die AktivistInnen sehen sich als Teil der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung und fordern daher nicht nur ein Ende der Tierversuche, sondern ausdrücklich die Befreiung der Tiere aus allen Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnissen. LPT ist hierbei eines von vielen Unternehmen und steht symbolisch für die Ausbeutung tierlicher Individuen, wie sie tagtäglich in unserer Gesellschaft stattfindet. Mit dem Blockieren des Labors haben sich die AktivistInnen gegen diese systematische Ausbeutung gestellt und klar gemacht, dass Unternehmen, die Profite mit dem Leiden und Sterben von Tieren machen, heute und in Zukunft mit Widerstand zu rechnen haben.

Bis jeder Käfig leer steht! Tierversuche abschaffen – LPT schließen!

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